Nele Pollatschek, Das Unglück anderer Leute

„‚Ich hasse sie, ich hasse sie, ich hasse sie‘, sagte ich.“

Bei Loriot liegt das Komische im Alltäglichen, in den, wie es in einem Bericht der Sendung Capriccio im Bayerischen Fernsehen so schön hieß, „hoch komplexen Hürden“ der Kommunikation, die es bereits am Familientisch gibt, „wo das Scheitern oftmals seinen Anfang nimmt“. Das Verzweifeln an der eigenen Familie, die Komik gescheiterter Kommunikation und skurrile zwischenmenschliche Begegnungen schildert auch Nele Pollatschek in ihrem Debütroman. Die Handlung ist komisch – komisch lustig, komisch merkwürdig, aber auch traurig und manchmal alles auf einmal.

Im Mittelpunkt der Erzählung steht Thene, Mitte zwanzig, die in Oxford studiert, aber am liebsten zuhause in Heidelberg ist und an ihrem Klapptischchen im Odenwald auf einer Lichtung sitzt, um zu lesen und zu schreiben. Was die Geruhsamkeit angeht, macht ihr ihre verrückte Familie jedoch oftmals einen Strich durch die Rechnung. Ihre Mutter Astrid ist Gutmensch und Hippie. Sie wird gerne von anderen Menschen gebraucht. Mit ihren Weltverbesserungsideen hat sie so viel zu tun, dass ihre eigenen Kinder meistens auf der Strecke bleiben.

Thenes Vater Georg liebt Astrid für ihre Ideale und hält es trotzdem nicht mit ihr aus. Deshalb ist er, als Thene zehn war, für ein paar Jahre verschwunden. Jetzt ist er wieder da und glücklich mit Christoff liiert. Thenes Halbbruder Elijah ist Zauberer, sein Vater ist der jüdisch-orthodoxen Dogmatiker Menachem. Und auch die kleine Schwester Trixie, die Großeltern väterlicherseits und die Oma mütterlicherseits lassen ihrerseits keine Langeweile aufkommen.

Dabei wünscht sich Thene meistens einfach ein klein wenig Normalität. Als ihre Studienabschlussfeier in Oxford ansteht, macht sich ein Teil der Familie auf den Weg dorthin. Doch Astrid muss wieder einmal ihren Willen durchsetzen und dann gerät Thenes Welt endgültig aus den Fugen…

Ein witziger Roman mit schön flotten Dialogen, originellen Charakteren und einem leider für meinen Geschmack etwas zu abrupten Ende.

Nele Pollatschek, Das Unglück anderer Leute, Galiani Berlin, 224 Seiten, Gebunden, A 19,60 Euro, D 18,99 Euro.

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