Sara Lövestam, Die Wahrheit hinter der Lüge

„Es fiel ein seltsamer Regen an jenem Tag, als man mir Julia nahm.“

Dieser Krimi ist anders. Ein kleines Mädchen verschwindet, doch Pernilla, die Mutter, wendet sich nicht an die Polizei, sondern an einen jungen Privatdetektiv aus dem Iran. Dies ist sein erster Auftrag und Kouplan setzt mit seinen Mitteln alles daran, Julia zu finden.

In seiner Heimat hat er als Journalist gearbeitet, sein Asylantrag in Schweden wurde abgelehnt. Er führt in Stockholm ein verstecktes Leben und leidet unter der ständigen Angst, entdeckt zu werden. Vor der Polizei hat er ebenso viel Angst, wie Pernilla und so sind die beiden in ihrer Suche nach Julia ein gutes Team.

Kouplan umgeht geschickt die offiziellen Wege, die ihm in seiner Situation nicht zugänglich sind. Er nützt seine Kontakte und gelangt schließlich auf eine Spur, die in die Unterwelt Stockholms führt. Zu einem kleinen Mädchen, das gefangen ist und das Julia sein könnte. Aber obwohl Kouplan sich in ihrer unmittelbaren Nähe befindet, weiß er nicht, ob er ihr helfen kann.

Was mir an diesem Buch besonders gefällt, ist der aktuelle Bezug und die sozialen Aspekte hinter der Kriminalgeschichte. Es zeigt die Hilflosigkeit Kouplans, der eigentlich nur ein normales Leben führen möchte und die Einsamkeit, die ihm sein Versteckspiel auferlegt. Pernilla und Kouplan sind sich in diesem Sinne ähnlich, beide sind auf ihre Weise verloren und alleine, sie fangen sich gegenseitig auf und wissen doch nie, ob sie dem anderen tatsächlich vertrauen können.

Die Autorin, Sara Lövestam, 1980 geboren, arbeitet als freie Journalistin und unterrichtet Schwedisch für Ausländer. Das Buch wurde 2015 mit dem Schwedischen Krimipreis ausgezeichnet.

Sara Lövestam, Die Wahrheit hinter der Lüge, Rowohlt, 284 Seiten, Taschenbuch, A 10,30 Euro, D 9,99 Euro.

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