In 60 Buchhandlungen durch Europa

Buchreise durch Europa

Meterhohe Regalwände, endlose Bücherreihen, der verführerische Geruch von Papier und Druckerschwärze – das Innere einer Buchhandlung hat etwas Magisches. Das weiß auch Buchhändler Torsten Woywod, der dem Zauber des gedruckten Wortes schon früh verfallen ist und seine Leidenschaft deshalb zum Beruf gemacht hat. Und weil er nicht immer in nur derselben Buchhandlung stöbern wollte, hat er sich kurzerhand auf den Weg gemacht, um die schönsten und außergewöhnlichsten Buchhandlungen in Europa ausfindig zu machen. Im Bildband »In 60 Buchhandlungen durch Europa« präsentiert Torsten Woywod seine Funde, eröffnet uns einen Blick hinter die Kulissen der Buchwelt und berichtet von unterhaltsamen Begegnungen mit Menschen, die genauso buchverrückt sind wie er. Für alle, die ihre Bücher immer noch lieber beim Buchhändler um die Ecke kaufen, anstatt sie im Internet zu bestellen. [Verlagstext, angepasst]

Schon das Vorwort zum Buch ist übrigens sehr lesenswert und stammt von Benedict Wells, Autor von u.a. „Vom Ende der Einsamkeit„.

Torsten Woywod (35) ist gelernter Buchhändler. 2015 startete er das Projekt Around the World in 100 Bookshops und bereiste zunächst die schönsten Buchhandlungen Europas. Der zweite Teil seiner Reise führte ihn im Sommer diesen Jahres nach Asien und Nord- und Südamerika. Für sein Engagement für die Buchwelt erhielt Torsten Woywod 2015 den Young Excellence Award des Börsenblatts.

Torsten Woywod, In 60 Buchhandlungen durch Europa, Eden Books, 256 Seiten, Gebunden, A 20,60, D 19,95, ISBN 978-3959100731.

Eden Bookshugendubel.dethalia.at

Hay-on-Wye

Mitten im walisischen Nirgendwo liegt das Dörfchen Hay-on-Wye, eine mini Buch-Metropole, die auch im Bildband von Torsten Woywod nicht fehlen darf. Ich habe sie während meiner Erasmus-Zeit in Wales vor ein paar Jahren besucht und war augenblicklich verzaubert.

Der Bus dorthin fährt nur in den Sommermonaten und auch dann dauert die Reise quer durch den grünhügeligen Nationalpark und mitten durch unzählige Schafherden ordentlich lange. Doch die Fahrt ist wunderschön und die Ankunft fühlt sich an wie in einer anderen Welt. Hay-on-Wye hat 1.800 Einwohner und wird dazu von mehr als zehn Millionen Büchern bevölkert. Es ist das erste Bücherdorf der Welt mit insgesamt 38 Buchhandlungen und einem König. Richard Booth ist selbsternanntes Oberhaupt und Erfinder des Buchkönigreichs. Er gründete Anfang der 60er Jahre trotz Abgeschiedenheit und kaum vorhandenen Kunden in Hay ein Antiquariat. Seine absurde Idee brachte Literaturliebhaber aus ganz Großbritannien und schließlich aus der ganzen Welt nach Hay-on-Wye. König Booth kaufte ganze Bibliotheken auf, zog in die Burg und damit endgültig das Medieninteresse auf sich und den Ort.

1977 erlaubte er sich einen kuriosen Aprilscherz, der aus heutiger Sicht besonders bemerkenswert ist: Gekrönt und in Königsgewand erklärte er der versammelten Presse die Abspaltung Hays vom Vereinten Königreich und den Austritt aus der Europäischen Gemeinschaft. Sich selbst ernannte er offiziell zum König und sein Pferd zum Premierminister.

Heute ist das ganze Dorf voller Bücher, es gibt Läden für vergriffene Kinderbücher, eine Lyrik-Buchhandlung und ein Antiquariat für Bienenzucht und Gartenkunde. Das Kino wurde zum Buchladen umgebaut und es gibt ein jährliches Literaturfestival, auf dem große Namen wie Henning Mankell oder Arthur Miller vertreten waren – ein Buchtraum ist wahr geworden!

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