J. Marklein, Florian Berg ist sterblich

„Im Philosophischen Institut roch es nach Klebstoff.“

Die Kapitel wechseln ab zwischen Berichten aus Florians Kindheit und Jugend im niedersächsischen Wulsbüttel und seinem Studentenleben in Leipzig. Florians Jugend ist geprägt von Religion, Natur, Liebeleien und ersten rauschgesteuerte Aktionen, wie es sie nur auf dem Land geben kann: „Plötzlich war Florian überzeugt, es sei lustig, die Gänse aus ihrem Gehege zu befreien. Er öffnete die Holzpforte und rief: „Nak, nak, nak!“ Die Gänse reagierten nicht. Noch einmal rief Florian: „Nak, nak, nak!“ Dann ging er zurück in den Gemeinschaftsraum.“

Auch in den Berichten aus seiner Studentenzeit ist Florian ein äußerst unterhaltsamer wunderlicher Antiheld, der eher versehentlich als aus Überzeugung an den Studentenprotesten zur Bologna-Reform und Hörsaalbesetzungen beteiligt ist. Eigentlich jedoch ist er mit den alltäglichen Dingen ausgelastet, wenn nicht überfordert. Sein Leben ist ausgefüllt mit verliebten Schwärmereien, typisch studentischer Nahrungsaufnahme, Nintendo-Gelagen und Scrabble-Abenden, die einen schon einmal die Zeit und die Studentenratssitzung vergessen lassen.
Die Liebeskatastrophen von Freunden lassen Florian tendenziell unberührt. Der Streit mit dem Mitbewohner um dessen Ex-Freundin, mit der Florian quasi aus Versehen eine Affäre hatte, kommt für ihn aus heiterem Himmel. Nachdem sie sich mit heißem Popcorn beworfen haben, ist Florian müde und möchte eigentlich schlafen gehen. Als sich die beiden dann doch noch prügeln, bekommt Florian noch einmal Hunger. Janko Marklein ist ein Freund von witzig skurrilen Abschlüssen eines Kapitels oder Absatzes. „Irgendwo uhute ein Uhu.“

Lustige Zwischendurchlektüre, herrlich freaky und an ein paar Stellen bestens zum entspannten Loslachen geeignet.

Janko Marklein, Florian Berg ist sterblich, Blumenbar/Aufbau Verlag, 335 Seiten, Gebunden A 20,60 Euro, D 20,00 Euro.

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