Lily King, Euphoria

„Einer von den Mumbanyo warf ihnen noch etwas nach, als sie ablegten.“

Im Neuguinea der 1930er Jahre entwirft Lily King die exotisch sinnliche Geschichte von drei jungen Ethnologen, die inmitten bahnbrechender Feldstudien im Dschungel ihrer eigenen Gefühle landen. Die Ethnologin Nell Stone, die mit einem populärwissenschaftlichen Buch ihrer noch jungen Disziplin bereits Berühmtheit erlangte und ihr Mann Fen treffen auf den Briten Andrew Bankson.

Bankson, tief in einer emotionalen Krise, klammert sich an dem Forscherehepaar als letztem zwischenmenschlichen Rettungsanker fest. Nell und Fen haben sich wissenschaftlichen verrannt und auch in ihrer Ehe eher verirrt. Die Begegnung zu diesem Zeitpunkt rüttelt alle drei auf und insbesondere Nell und Bankson beflügeln sich in einem „Koitus der Seelen“.

Doch greift die berufliche Leidenschaft im Umfeld der urspünglichsten Wildnis und umgeben von eindeutig aufgeladener Symbolik und Ritualen, schnell auf die Gefühlswelt beider über. In Fens Handeln auf dem Höhepunkt der Geschichte offenbart sich schließlich sein „Blick für die Barbarei unter dem Firnis der Zivilisiertheit“.

Der Roman ist inspiriert von den Forschungsreisen Margaret Meads. Sie traf 1933, damals mit Reo F. Fortune verheiratet, tatsächlich am Fluss Sepik auf ihren späteren Ehemann Gregory Bateson.

Ein wunderbares Abtauchen in andere Welten, Gefühle und eine andere Zeit. Intelligent und herrlich aufregend.

Lily King, Euphoria, C.H.Beck, 262 Seiten, Gebunden A 20,60 Euro, D 19,95 Euro.

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